Die Riederauer Ortshistorie
zusammengestellt von Stephan Widler
Ursprung und frühe Entwicklung (Antike bis 1898)
Die Geschichte von Riederau ist verbunden mit einer alten Straße aus der römischen Kaiserzeit, heute „Via Raetia“ genannt, die von Norditalien über den Brenner und entlang des Ammersees nach Augsburg führte.[1] Diese Straße wurde im frühen 3. Jahrhundert n. Chr. ausgebaut und durchquerte das heutige Riederau im Bereich des Kernortes.[2]
Der Name „Riederau" leitet sich von „rieden" (roden) und „au" (feuchte Wiese) ab.[3] Das beschreibt die Lage der ersten bekannten Siedlung zwischen Melchgraben und Steinigem Graben.
Abb. 1 : Sammel-Handschrift des Schreibermönchs Stephan Leopolder, Kloster Wessobrunn, S. 44 u. 45
Die erste urkundliche Erwähnung von Riederau wird heute auf 1126 datiert.[4] Im Traditionsbuch des Klosters Wessobrunn wird später diese Beurkundung mit einem Gut in „Riderowe" erwähnt.[5]
Zu diesem Zeitpunkt bestand Riederau nur aus einem einzigen Hof. Im ältesten Dießener Urbar (Hofverzeichnis) von 1362/63 wird vermerkt, dass vom Hof zu „Riederawe" der Zehent (Abgabe) an die Klöster Bernried und Dießen abzuführen war.[6] Bis ins 15. Jahrhundert hinein blieb der Ort eine kleine Einöde (abgelegener Hof): Im Jahr 1445 wird nur ein Hofbesitzer namens „Perchtold Mair“ genannt.[7]
Um 1500 bestanden bereits zwei größere Höfe und ein kleineres Gut. 1537 finden sich zum ersten Mal vier Namen, darunter Thoma Riderauer, Anna Riderauerin und Hans Riderauer, deren Familienname sich nun vom Ortsnamen ableitet.[8] Erst um 1580 lassen sich die Höfe mit den Namen in Verbindung bringen:[9]
Haus Nr. 1 (heute Rogisterstraße 2), Hans Riederauer, Hausname beim „Unterbauer".
Haus Nr. 2 (heute Seiboldstraße 23), Jörg Seytz (ab 1632 Thoma Riederauer d. Ä.), Hausname beim „Sepp", aktueller Bestand Bj. 1903.
Haus Nr. 3 (heute Neuwiese 2, Baudenkmal), Thomas Riederauer, Hausname beim „Lenzbauer", auch b. „Oberbauer", aktueller Bestand Bj. um 1770/80, ehem. die „Kreisheimatstuben“ des Landkreises Landsberg am Lech, 1997 geschlossen, seit 2005 im Privatbesitz.
Haus Nr. 4 (heute Seiboldstraße 28), Hans Riederauer, Hausname beim „Weber" oder „Stidlweber".[10]
Die Kapelle „Maria Hilf" (heute Rogisterstraße 4, Baudenkmal) wurde 1796 vom damaligen Eigentümer des Unterbauernhofes (Haus Nr. 1), Caspar Dreer, als Privatkapelle erbaut. Ursprünglich nur dem Hof zugehörig, ging sie 1857 in den Besitz aller vier Haushaltungen über. Ein Protokoll sicherte den Fortbestand der Kapelle und regelte die Unterhalts-pflichten. 1859 wurde die Kapelle dann zu einer Kirchenstiftung.[11]
Lange blieb Riederau eine landwirtschaftlich geprägte Siedlung und erst im Jahr 1877 kam der Vorläufer des heutigen Rathauses hinzu (heute Seiboldstraße 20). 1899 folgten dann zwei weitere Gebäude: die ehemalige Bahnhofsgaststätte (heute der Parkplatz gegenüber vom Bahnhofplatz)[12] und die „Dietrich-Villa“ (heute Seeweg-Süd 2)[13].
Der Aufbruch ins 20. Jahrhundert (1898–1933)
Mit Beginn des 20. Jahrhunderts schritt die Entwicklung des Ortes deutlich schneller voran. Dafür waren zwei Ereignisse entscheidend: die Eröffnung der Eisenbahnstrecke Augsburg–Weilheim und die Dampfschifffahrt auf dem Ammersee.
Abb. 2 : Die Bahnhof-Holzbaracke in Riederau bis 1937
Am Heiligen Abend 1898 fuhr der erste Zug und Riederau hatte jetzt eine Bahnstation, die zunächst aber nur aus einer Wellblechhütte bestand. Erst 1903 wurde das hölzerne Betriebsgebäude aus Dießen hierher umgesetzt.[14][15] Parallel dazu erhielt Riederau 1900 eine Anlegestelle für die Ammersee-Dampfschiffe. Diese Infrastruktur machte den Ort für Erholungssuchende aus Augsburg und München attraktiv.
Damals kostete der Quadratmeter Baugrund in Riederau nur 10–50 Pfennig und so entstanden ab 1903 die ersten Landhäuser. Der Charakter wandelte sich von einer kleinen Siedlung zu einem Villenort mit großzügigen Gärten. Bis 1912 waren mindestens 18 neue Villen errichtet worden. Die landschaftlich schöne Lage zog viele Kunstmalerinnen und -maler an, die hier Unterkunft und Inspiration fanden. Zu den bekanntesten gehörten August Backmund, der von 1912 an im Haus Nr. 4 lebte, genauso wie vorher auch Robert Assmus. Weiterhin lebten hier die Malerinnen und Maler Maria v. Biasini, Robert Franz Curry, Walter Koch, Max Köppen, Marie-Louise von Rogister und Alexey von Schlippe.
Ein weiterer, prominenter Bewohner war Dr. Manfred Curry, ein Wissenschaftler, Arzt und Segler. Er bewohnte die „Curry-Villa" (heute Curry Park 9), die um 1900 von dem Architekten Martin Dülfer für die Familie Curry errichtet worden war. Manfred Curry betrieb hier ab 1939 das medizinisch-bioklimatische Forschungsinstitut. Seine Erfindungen, wie die „Curry-Klemme" im Segelsport, machten ihn international bekannt.
Auch der irische Freiheitskämpfer Roger Casement weilte im Sommer 1915 in Riederau in der Bahnhofsgaststätte. Der Physiker Prof. Dr. Max Dieckmann betrieb um 1927 in Riederau die „Drahtlostelegraphische Versuchsstation“ und ließ ferngesteuerte Forschungsboote über den Ammersee fahren – sehr zum Schrecken der hiesigen Bevölkerung.
Die Bevölkerungszahl stieg deutlich an und die Infrastruktur wurde angepasst: Straßen und Wege wurden ausgebaut. Der Verschönerungsverein wurde 1902 gegründet und trieb die Entwicklung der „Badeanstalt“ (Strandbad) voran, die auf dem Seegrundstück der ehemaligen Langholzablage und Floßlände entstand.
Das Weggenossenheim (heute Römerweg 9) wurde um 1910/1920 errichtet und gehört um 1930 zum "Ev. Verband der weiblichen Jugend Deutschlands“. Die Pfarrkirche St. Petrus Canisius wurde 1929 geweiht, bis dahin war die katholische Gemeinde auf die Kapelle „Maria Hilf" angewiesen.
Die Zeit des Nationalsozialismus und der 2. Weltkrieg (1933–1945)
Auch in Riederau hinterließ die NS-Zeit ihre Spuren. Auf dem Platz zwischen Schulanger und Seiboldstraße wurde ein „Ehrenmal“ errichtet, das ursprünglich Hindenburg, Hitler und Epp gewidmet war. Der Bildhauer Karl Knappe schuf dazu 1933 einen Felsblock mit Adler und Hakenkreuz. Ein Pressebericht von 1933 beschreibt den „[…] Gedenkstein, der 80–100 Zentner wiegen soll.“ Nach dem Krieg blieb das „NS-Denkmal“ zunächst bestehen. Es wurde dann auf Druck der Alliierten demontiert und 1949 durch das heutige Kriegerdenkmal von dem Bildhauer Theodor Georgii ersetzt.
Die alte Bahnhof-Holzbaracke wurde 1937 abgerissen und durch das heutige, gemauerte Gebäude im Heimatstil ersetzt. Es wurde 1940 in dem Artikel „Schönheit im Zweckbau“ als „zweckmäßig und gefällig“ gelobt. Durch den nun möglichen Güterverkehr konnte auf die Floßlände am See verzichtet werden und das Seegrundstück konnte dann für das Strandbad genutzt werden. 1976 wurde das Gleis für den Güterverkehr stillgelegt und 2002 schließlich auch der Fahrkartenverkauf am Schalter eingestellt. Der Bahnhof steht unter Denkmalschutz und ist seit 2013 im Besitz der Marktgemeinde Dießen.
Abb. 3 : Blick die heutige Seiboldstraße hoch, links „Gasthof Dietrich“ (Bahnhofsgaststätte) und rechts „Bäckerei & Lebensmittel“ Guggenmoos
Ebenso 1937 wurde das neue Gemeindehaus (Rathaus) mit dem Architekten Hans Holzbauer errichtet. Das Gebäude beherbergte nicht nur die Gemeindeverwaltung, sondern auch die Ortsgruppe der NSDAP und die Reichspost. Es wurde in der NS-Propaganda „Gemeinschaftshäuser“ als Vorbild für andere Gemeinden gepriesen.
Die Kirche St. Petrus Canisius musste ihre zwei größten Glocken dem Krieg opfern. Im Weggenossenheim (Römerweg 9) wurden 1933 durch einen Arbeitskreis die „Riederauer Thesen zur lutherischen Volksmission“ verfasst. Sie dienten als theologische Handlungsgrundlage und stellten fest, dass „[…] die Kirche [...] nicht die Aufgabe [hat], den Ruhm des 3. Reiches religiös zu verklären“.
1934 übernahmen die Schwestern vom Diakonissen-Mutterhaus Hensoltshöhe zwei Gebäude in Riederau und richteten dort das „Christl. Erholungsheim“ ein. In den Kriegsjahren boten die Schwestern Flüchtlingen eine Zuflucht und nach Kriegsende werden dort Vertriebene und Kriegsverletzte untergebracht. Die Gebäude wurden später durch die heutigen „Ammerseehäuser“ in der Ringstr. 29 und 52 ersetzt.
Wiederaufbau, Eingemeindung und heutiges Bild (1945–Heute)
Nach dem Krieg stand Riederau vor großen Herausforderungen. Die Infrastruktur war teilweise zerstört und der Ort musste eine große Zahl an Heimatvertriebenen aufnehmen. Das Strandbad, das im Krieg zerstört worden war, wurde 1948 durch freiwillige Bürger wieder instand gesetzt und erweitert. 1968 wurde schließlich ein modernes Strandbad mit einem Pavillon nach Plänen des Architekten Heinz Kloepfer eingeweiht.
Auch im kulturellen Bereich gab es Entwicklungen. Die katholische Kirche St. Petrus Canisius erhielt 1952 wieder neue Glocken. Die evangelische Gemeinde baute 1954 ihre eigene Kirche (Rogisterstraße 16), was später das Ferien- und Freizeitheim "Wilhelm-Präger-Haus" der Evang. Jugend Weilheim wurde.
Die Schule in Riederau erlebte eine intensive Phase. 1949 wurde das erste Schulhaus der Nachkriegszeit im Landkreis Landsberg eingeweiht. Durch den Zustrom von Flüchtlingen wuchs die Schülerzahl schnell. 1969 wurde die Volksschule aufgelöst und die Kinder fuhren fortan mit dem Bus nach Dießen. Das Schulgebäude wurde danach als Kindergarten genutzt, später abgerissen und 2005 durch das heutige Hauptgebäude des Architekturbüros Lüps ersetzt.
Riederau war der größte Ortsteil der ehemaligen Gemeinde Rieden am Ammersee und fungierte als Sitz der Gemeindeverwaltung. 1954 erhielt Riederau ein neues Gemeindewappen, entworfen von dem Heraldiker Richard Kempf, mit einem Adler und sieben Sternen auf grünem Grund. Jeder Stern repräsentierte einen Ortsteil der Gemeinde: Holzhausen, Rieden, Riederau, Bierdorf, St. Alban, Lachen und Romenthal.
Abb. 4 : Wappen der ehemaligen Gemeinde Rieden a. A.
Die Gemeinde Rieden entwickelte sich in den 1950er- und 1960er-Jahren zu einem staatlich anerkannten Erholungsort. Der Tourismus boomte und auch Prominente waren gerne in Riederau. Ab Ende der 1950er Jahre lebte der Archäologe Prof. Dr. Erich Boehringer im „Lärchen Hof“ am Oberen Forst und der Schriftsteller Heinz Piontek verbrachte jahrelang den Sommer in Riederau und nannte eines seiner Werke "Riederauer Gedicht". Er hatte von Januar 1968 bis August 1981 seine Zweitwohnung in der Ringstraße 22.
Mit dem Anwachsen der Bevölkerung wurde die Infrastruktur im Ort verbessert: Straßen wurden geteert und ein eigener Friedhof wurde 1961 erschlossen. Bis dahin fanden Beerdigungen auf den Friedhöfen in Holzhausen oder Dießen statt. Bis zum Ende der 1960er Jahre wurden in Riederau die Häuser nach der Reihenfolge des Erbauens durchnummeriert. Mit dem wachsenden Siedlungsgebiet wurde die Nummerierung zunehmend unübersichtlich. So wurden bis 1972 für das gesamte Gemeindegebiet neue Straßennamen und neue Hausnummern vergeben. Der Ort Holzhausen wechselte 1972 von der Gemeinde Rieden zur Gemeinde Utting.
1976 hatte Riederau sein 850-jähriges und die Freiwillige Feuerwehr ihr 100-jähriges Jubiläum. Im folgenden Jahr wurde dies mit einem großen Festakt gefeiert. Mit den Feierlichkeiten fand auch die Einweihung des neuen Gemeindebrunnens im Park an der Seiboldstraße statt. 1977 wurde auch der Gasthof „KramerHof“ in der Ringstraße 4 eröffnet.
Am 1. Mai 1978 wurde die Gemeinde Rieden im Zuge der bayerischen Gebietsreform aufgelöst und in die Marktgemeinde Dießen am Ammersee eingegliedert. Riederau verlor so seine kommunale Selbstständigkeit, blieb aber als Ortsteil erhalten. Das ehemalige Rathaus beherbergte später eine Sparkassenfiliale und ist heute eine Erweiterung des Kinderhauses.
Textquellen:
[1] Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalliste - Denkmäler in Dießen am Ammersee. Bodendenkmal D-1-8032-0004,
https://geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_181114.pdf , abgerufen am 24.04.2026
[2] Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege / Bayerische Vermessungsverwaltung, Bayerischer Denkmal-Atlas: Riederau. Bodendenkmal D-1-8032-0004,
https://v.bayern.de/HPvgL , abgerufen am 23.04.2026
[3] Wallner, Eduard, Altbairische Siedelungsgeschichte: In Den Ortsnamen Der Ämter Bruck, Dachau, Freising, Friedberg, Landsberg, Moosburg und Pfaffenhofen, München und Berlin 1924.
[4] Leopolder, Stephan, Sammel-Handschrift des Schreibermönchs Stephan Leopolder des Klosters Wessobrunn; herausgegeben von Kloster Wessobrunn, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Kloster Wessobrunn Amtsbücher und Akten 5
https://www.bavarikon.de/object/bav:GDA-OBJ-00000BAV80016793?p=43&cq=Wessobrunn&lang=de
[5] Bayerische Akademie der Wissenschaften (Hg.), Monumenta Boica. Volumen Septimum., München 1964 (Reprint von 1766), S. 340 u. 341, Sammlung Stephan Widler
[6] Schlögl, Waldemar, Die älteste Besitzliste und das Urbar des Stiftes Diessen von 1362/63, München 1970, S. 64, Sammlung Stephan Widler
[7] „Stadtarchiv München, Fremdbestand 21/II“
[8] „HAM, GL Nr. 15“
[9] „HAM, KL Dießen, Nr. 39“
[10] Neu, Wilhelm; Dietrich, Josef; Müller-Hahl, Bernhard: 850 Jahre Riederau Ammersee – 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Rieden. St. Ottilien: EOS Druck, 1977, S. 12-15.
[11] Neu, Wilhelm; Dietrich, Josef; Müller-Hahl, Bernhard: 850 Jahre Riederau Ammersee – 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Rieden. St. Ottilien: EOS Druck, 1977, S. 9-12.
[12] Böck, Eustachius, „Bahnhof-Restauration Riederau a. A.“, in: Wochenblatt vom Ammersee (29. August 1899), Archiv des Arbeitskreises der Heimatforscher des Ammerseegebietes (AHA).
[13] Bauplan: Landhaus in Riederau a./ Ammersee, Archiv der Marktgemeinde Dießen, Sammlung Elisabeth Jaschof.
[14] Janikowski, Andreas, Die Ammerseebahn, Stuttgart 1. Auflage1996, S. 13, 59.
[15] Rasch, Peter, Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach, St. Ottilien 1. Auflage 2011, S. 135.
> > > Die Auflistung der Textquellen wird fortgesetzt! Stand 12.07.2026 < < <
Abbildungsquellen:
Abb. 1: Sammel-Handschrift des Schreibermönchs Stephan Leopolder, Kloster Wessobrunn, S. 44 und 45.
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kloster Wessobrunn Amtsbücher und Akten 5 .
[Anmerkung: In der Monumenta Boica, Volumen VII, Monumenta Wessofonta, findet sich eine Abschrift auf Seite 340 und 341.]
Abb. 2: Die Bahnhof-Holzbaracke in Riederau bis 1937
Bild aus dem ehemaligen "Bildarchiv Pressedienst Reichsverkehrsministerium", Sammlung Stephan Widler.
Abb. 3: Blick die heutige Seiboldstraße hoch, links „Gasthof Dietrich“ (Bahnhofsgaststätte) und rechts „Bäckerei & Lebensmittel“ [Guggenmoos].
Ausschnitt der Postkarte "Riederau am Ammersee. Nr. 720. Verlag Guido Beck, München 25", Post. gel. mit Stempel vom 19.09.1941, Sammlung Stephan Widler.
Abb. 4: Ehemalige Gemeinde Rieden a. A., Gestaltung durch den Heraldiker Richard Kempf, offiziell genehmigt 12/1954.
[Beitrag für die Jubiläumsbroschüre „Riederau³ - 900 Jahre Riederau“ zur ersten, nachweisbaren, urkundlichen Erwähnung von Riederau. © 25.06.2026 Stephan Widler – www.riederau.net]





Stand: 12.07.2026, Vers. 4.003.0
Impressum / © Stephan Widler / 
Rundgang Ortshistorie Riederau
Hier finden Sie den kostenlosen Zugang zum
=> Rundgang Ortshistorie Riederau
Leider hat "DigiWalk" zum 31.10.2024 seine Dienstleistung komplett eingestellt.
Derzeit wird an einer neuen Lösung für den Rundgang gearbeitet.
Dieser Rundgang ist ehrenamtliches Projekt und mit Unterstützung des Verschönerungsvereins Riederau 1902 e. V. (VVR), dem Arbeitskreis der Heimatforscher des Ammersee-Gebietes e. V. (AHA) und dem Archiv der Marktgemeinde Diessen am Ammersee entstanden.
Informationen zur Entstehung des Rundgangs finden Sie => hier.
Abbildung oben: Auschnitt einer Mehrbild-Postkarte von Max Merz Diessen, "Partie von Riederau" mit der "Bahnhof-Restauration", um 1916 - Quelle: Sammlung Stephan Widler.
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Stand: 01.11.2024, Vers. 4.03.0
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Infos zum ortshistorischen Rundgang von Riederau
Mit den Recherchen zur Riederauer Ortshistorie entstand bereits sehr früh die Idee, das umfangreiche Recherchematerial auch in einen Ortsrundgang einfliessen zu lassen. Dazu wurde dann 2016 ein erstes Konzept entwickelt und der Inhalt kontinuierlich aufgebaut.
Mit dem kostenfreien Angebot der App von "DigiWalk", über die der Bayerische Landesverein für Heimatpflege im 3. Quartal 2020 berichtete, wurde dann endlich die Basis für eine professionelle Umsetzung gefunden.
Der Rundgang führt in Riederau zu den wichtigsten Stellen der Ortshistorie. Es wurde ein gehbarer Rundweg zusammengestellt, der allerdings ein Kompromiss zwischen einem akzeptablen Zeitaufwand und den tatsächlich verfügbaren Details darstellt. Auf der einen Seite soll es interessant für Laien sein und nicht langweilen oder überfordern, auf der anderen Seite sollen auch diejenigen mit Vorkenntnissen angesprochen werden.
Ab Oktober 2020 befand sich der Rundweg ein Jahr in der "Testphase". Inhalt und Praxistauglichkeit wurden von verschiedenen Personen erprobt. Jetzt ist der Weg über einen QR-Code mit der App "DigiWalk" zu finden, ebenso über die Suchfunktion in der App nach dem Stichwort "Riederau" oder vor Ort durch die "in der Nähe" Funktion der App.
Dieser Rundgang ist ehrenamtliches Projekt und mit Unterstützung des Verschönerungsvereins Riederau 1902 e. V. (VVR), dem Arbeitskreis der Heimatforscher des Ammersee-Gebietes e. V. (AHA) und dem Archiv der Marktgemeinde Diessen am Ammersee entstanden.
Detailliertere Informationen, weitere Abbildungen und genauere Quellenangaben finden sich in der (aktuell noch nicht veröffentlichen) ausführlicheren Druckausgabe des Rundgangs.
Bitte übermitteln Sie gerne Ihre Beiträge zur Ortsgeschichte, Anregungen und Verbesserungsvorschläge!!!
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Stand: 01.01.2023, Vers. 4.000.1
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Wappen

Das Wappen der ehemaligen Gemeinde Rieden hat auf grünem Grund einen Adler, als Hinweis auf die ehemalige Grundherrschaft des Klosters Dießen und sieben goldene Sterne, als Sinnbild für die Ortsteile Bierdorf, Lachen, Holzhausen, Rieden, Riederau, Romenthal und St. Alban. Seit 1972 gehört Holzhausen zur Gemeinde Utting.
Am 1. Mai 1978 wurden Riederau und die anderen Ortsteile im Zuge der Gebietsreform der Marktgemeinde Dießen am Ammersee angegliedert.
Im Vorwort zur Broschüre "850 Jahre Riederau am Ammersee" (1977) schreibt der damalige Landrat Bernhard Müller-Hahl: " ... und ich freue mich, daß ich 1954 das Gemeindewappen mitschaffen konnte, das auch nach der Gemeindeauflösung ewiges Symbol für die Gemeinschaft bleiben soll. ..."
Das Wappen wurde von dem Heraldiker, Maler und Holzschnitzer Richard Kempf (*1905 †1989) entworfen.
Stand: 04.11.2016, Vers. 3.000.1
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Zeittafel
Kurze Übersicht
- 1126 Erste urkundliche Erwähnung eines Hofes in "Riderowe"
- 1606 "Riederaw" besteht aus drei Höfen
- 1876 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Riederau
- 1898 Bau der Eisenbahn Augsburg-Weilheim mit Halt in Riederau
- 1900 Riederau erhält einen Dampfersteg
- 1902 Gründung des Verschönerungsvereines Riederau 1902 e. V.
- 1915 Sir Roger Casement wohnte im Sommer in der Bahnhofsgaststätte
- 1929 Bau der kath. Kirche St. Petrus Canisius (Ringstraße)
- 1936 Der Haltepunkt Riederau bekommt einen Bahnhof
- 1937 Errichtung des Rathauses
- 1945 Einmarsch der alliierten Truppen am 29. April 1945
- 1949 Einweihung des Schulgebäudes (ehem. Schulstraße, heutiger Schulanger)
- 1954 Einweihung der ev. Kirche (Rogisterstraße 16)
- 1954 Fertigstellung des ev. Jugend- und Freizeitenheimes (Rogisterstraße 16)
- 1961 Erschließung des Friedhofes (Buchenweg 8)
- 1968 Einweihung des Strandbades (Seeweg Süd 4)
- 1969 Einführung von Straßennamen
- 1969 Auflösung der Volksschule und Anschluß an den Schulverband Dießen
- 1975 Abbruch der Bahnhofsgaststätte (1899 errichtet, heute Parkplatz Seiboldstr. 2 / Ecke Dießener Straße)
- 1976 Jubiläum 850 Jahre Riederau & 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Riederau
- 1976 Gründung Sportverein SC Riederau
- 1977 Feier und Broschüre: 850 Jahre Riederau & 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Riederau
- 1978 Eingemeindung in die Marktgemeinde Dießen am Ammersee
- 1984 Einweihung des SC-Riederau Sportplatzes an der Seiboldstraße / nördl. Ortseingang
- 2005 Einweihung des Kinderhauses (Schulanger 4), Baubeginn 2004
- 2009 Aufbau der Internetseite www.riederau.net :-)
Stand: 14.12.2017, Vers. 3.003.0
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Historie
Aus: Heimatbuch für den Landkreis Landsberg am Lech,
2. Auflage 1982, Seiten 673-679
Markt Dießen a. A.
Wilhelm Neu
S. 673
Die frühere Gemeinde Rieden a. A. nahm, was ihre Struktur und ihre Entwicklungsgeschichte betrifft, im Rahmen des Landkreises eine Sonderstellung ein. Die sieben Orte, aus denen sie sich zusammensetzte, nämlich Bierdorf, Lachen, Holzhausen, Rieden, Riederau, Romenthal und St. Alban, waren noch m die Jahrhundertwende kleine, unbedeutende Siedlungen, von denen nur Holzhausen Anspruch auf den Titel "Dorf" erheben konnte. Sie verteilen sich heute auf einer Fläche von 1470 ha in der Nord-Südausdehnung von nahezu 7 Kilometern zwischen dem Seeufer und einem dichten Waldgebiet. Die Meereshöhe schwankt zwischen 535 m am Seeufer und 575 m am westlichen Rand des Siedlungsgebietes. Der idyllischen Lage, z. t. unmittelbar in Ufernähe, verdanken die einzelnen Orte ihre rasche Entwicklung in den letzten 60 Jahren und so ist es auch der See, der das Gesicht der Landschaft und die "Blickrichtung" bestimmt. Dazu gehört im Rücken ein sich weit nach Westen ausdehnender Fichtenwaldgürtel, der sich mit einer reizvollen Wiesen- und Baumlandschaft verzahnt. Das "Seeholz" zwischen Holzhausen und Riederau in einer Größe von rd. 66 Hektar, ein unter Naturschutz gestellter Mischlaubwald, ist mit uralten Eichen durchsetzt. Besonders charakteristisch sind die zahlreichen Wasserläufe, die sich westlich der Ammerseestraße in tief eingeschnittene Zuflüsse gabeln. Diese starke Wassertätigkeit ist auf große Kalktufflager zurückzuführen, die vor allem im südlichen Gemeindegebiet in geringer Tiefe anzutreffen sind.
Auf eine vorgeschichtliche Besiedlung deutet ein kleines Grabhügelfeld der Hallstattzeit (ca. 750 bis 450 v. Chr.) 800m südwestlich von Holzhausen. Die Römerstraße Augsburg-Brenner wird im Gemeindegebiet z. T. von der heutigen Ammerseestraße überlagert, tritt aber an einigen Stellen, - entweder bei starken Kiesablagerungen auf den Äckern (südlich Bierdorf und westlich Holzhausen) oder durch Aufschlüsse bei Bauarbeiten (Riederau), bei Hohlwegen und Materialgruben (Bierdorf, Riederau, Holzhausen) - immer wieder in Erscheinung. Spärliche Funde aus der 2. Hälfte des 3. Jhs. n. Chr. in der Holzhausener Flur (Tonlampe, Scherben, Münzen) mögen ein Hinweis auf eine kurzfristige römische Besiedlung sein. Ein Reihengräberfriedhof aus der Landnahmezeit des 6. Jhs. wurde 1921 ostwärts Haus Nr. 5 in Bierdorf aufgedeckt. In das frühe Mittelalter gehören wohl die Reste einer Umwallung bei der Kirche St. Alban, sowie der unterirdische Gang südlich der Holzhausener Kirche, der nach Augenzeugenberichten in nordwestlicher Richtung steil abfällt und in einem Raum mündet, "in dem man mit dem Wagen hätte fahren können". - Die Geschichte der Gemeinde ist bis zu einem Gewissen Grad auch heute noch eine Geschichte ihrer einzelnen Ortsteile. Der weitaus früheste urkundliche Nachweis ist von Holzhausen überliefert, als nämlich Isanhart aus dem Geschlecht der Huosier im Jahr 776 einige seiner Güter, darunter "Holzhusun" (Häuser am Holz) dem Kloster Schlehdorf vermachte. 1226 besaß ein gewisser Otto Fuez das Patronatsrecht in "Holzhusin" und das dortige Gut "Vischlehen" (heute Nr. 2). Im 14. Jh. hatte bereits das Kloster Dießen den "unteren und oberen Hof" (heute Nr. 8 und 5) im Besitz. 1456 - damals bestand der Ort nur aus vier Anwesen -, wird die St. Ulrichskirche als "Pfarrkirche" erwähnt, was auch Plazidus Braun in seiner Geschichte der Diözese Augsburg ausdrücklich festhält; zum mindesten hatte der Ort damals pfarrliche Rechte.
S. 674
Abbildung " Der Luftkurort Riederau a. A. (freigegeben Luftamt Südbayern Nr. G 26/1867)
S. 675
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Riederau, heute mit Abstand der größte Ortsteil bis 1978 Sitz der Gemeinde, liegt wie Rieden unmittelbar an der alten Römerstraße, auf der noch im Mittelalter viele Kaiser mit ihrem Heerbann nach Italien zogen. Es wird urkundlich im Jahre 1126 als
S. 676
"Riderowe" erwähnt, als Conrad von Holzhausen sein dortiges Gut an das Kloster Bernried schenkte. 1388 erhielt das Kloster Dießen den Hof zu "Ryderau" im Tausch von Wessobrunn. Der Weiler bestand bis in die Mitte des vorigen Jhs. aus 4 Anwesen und zwar aus 2 Halbhöfen und 2 Sölden. 1903 gab es erst 6 Häuser im Ort, 1950 dagegen 116. (Holzhausen: 12-64). Der Name deutet wie Rieden auf eine Rodungssiedlung.
Außer der Kirche St. Petrus Canisius und einer evangelischen Kirche steht beim Haus Nr. 1 (Unterbauer) noch eine kleine, 1796 erbaute Maria-Hilfkapelle mit halbrundem Altarraum und Zwiebeldachreiter. Der Altar zeigt bereits frühklassizistische Ornamente; besonder bemerkenswert eine Holzfigur des hl. Sebastian vom Ende des 15. Jhs. Das einzige beachtenswerte alte Bauernhaus in der Gemeinde ist Hs. Nr. 3 (Ober- oder Lenzbauer), ein stattlicher Flachdachbau mit profilierten Pfettenköpfen und Bundwerk über dem Stall aus der 2. Hälfte des 18. Jhs. (heute Kreisheimatstuben). [Anmerkung des Webmasters: Die Kreisheimatstuben wurden 1997 geschlossen und das Anwesen 2005 an Privat verkauft.]
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S. 677
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Die Entwicklung der Gemeinde zu Ihrer späteren Größe und Bedeutung setzte, wie schon erwähnt, erst nach der Jahrhundertwende ein, als besonders die Orte Riederau und Holzhausen von Freunden ländlicher Abgeschiedenheit in der Nähe des Ammersees aufgesucht und besiedelt wurden. Damals war Holzhausen eine bekannte Malerkolonie, nachdem die ersten Künstler 1894 das Dorf und die malerische Lage "entdeckt" hatten; nach 1903 entstanden die ersten Villen auf dem damals spottbilligen Baugrund.
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Am Heiligen Abend 1899 fuhr der erste Zug auf der Strecke Augsburg-Weilheim, und Riederau wurde Bahnstation; gegen eine solche in Holzhausen hatten sich die dort ansässigen Maler mit Erfolg gewehrt. Längst war auch schon die Ammerseeschiffahrt in Betrieb, aber erst nach 1900 erhielten Holzhausen, Riederau und St. Alban ihren Dampfersteg.
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S. 678
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Bauliche Entwicklung
Schon im Jahre 1934 wurde die Gemeinde Rieden zum Wohnsiedlungsgebiet erklärt. Das schmucke Rathaus im Ortskern von Riederau errichtete 1937 Architekt Hans Holzbauer, der in Holzhausen seinen Wohnsitz hatte. Dem leider Frühverstorbenen verdankt die Stadt Landsberg die wohlgelungene Umgestaltung des Hauptplatzes und die neue Bergstraße.
Am letzten Weltkrieg nahmen 83 Bewohner teil, 21 Gefallene und 19 Vermißte sind zu beklagen. Mit dem Einmarsch französischer Einheiten am 4. Mai 1945 in Riederau begann ein neues Kapitel im Gemeindegeschehen:
In den folgenden Jahren galt es, eine große Zahl Heimatvertriebener unterzubringen, nach der Statistik die meisten in allen Gemeinden des Kreises. Zu diesem Zweck wurde schon 1950 ein 7-Familienhaus in Bierdorf und 1957 ein 8-Familienhaus in Holzhausen - nach Auflösung des dortigen "Waldlagers" - erbaut. Der 2. Bauabschnitt der 1949 errichteten Schule wurde Ende1951 fertiggestellt. Ebenfalls 1949 wurde die Kriegergedächtnisstätte in Riederau eingeweiht; ihre Umgestaltung in Form von 4 niedrigen Steinkreuzen durch Bildhauer Ferdinand, München, erfolgte 1956. 1954 begann der Ausbau des gemeindeeigenen Straßennetzes mit dem Teilstück von der Abzweigung der Ammerseestraße mit Ortsdruchfahrt Holzhausen bis zur Gemeindegrenze Utting. Die Zufahrtsstraßen nach Bierdorf, Lachen und St. Alban wurden 1961 und 1962 geteert. Dann folgte die Erstellung eines Lehrerwohnhauses, der Bau der neuen Friedhofsanlage und die Arbeiten im Zuge der Abwasserbeseitigung Ammersee-West. Die Namen der Bürgermeister
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seit dem Jahr 1946 lauten: Alban Vetterl (1946-52), Ludwig Sauer (1952-56), Moritz Bauer (1956-60), Dipl.-Ing. Robert Weber (seit 1960) und Theodor Seibold (1968-78). Im Jahre 1953 erhielten 4 verdiente Persönlichkeiten das Ehrenbürgerrecht: Karl Bahner, Prof. Adolf Münzer (+), Adam Präger und Prof. Richard Trunck. Im gleichen Jahr fand die Einweihung des Riederauer Genesungsheimes statt, das im Besitz der Diakonissinnen aus Gunzenhausen ist. Die Einführung des Gemeindewappens wurde im Dezember 1954 ministeriell genehmigt: Es zeigt in 2 Feldern auf grünem Grund oben einen halben Adler (Hinweis auf die ehemalige Grundherrschaft des Klosters Dießen), darunter 7 fünfstrahlige goldene Sterne als Sinnbild der sieben Ortsteile. Zum Gedächtnis an den großen Wissenschaftler und Sportsmann Dr. Manfred Curry, der sich durch seine medizinischen, bioklimatischen und aerodynamischen Forschungen einen Namen gemacht hat, wurde 1955 die Klinik auf seinen Namen südlich Riederau eingeweiht, durch seinen baldigen Tod dann 1970 geschlossen und von der Bayerischen Vereinsbank als Heim übernommen. Die Bayerische Verwaltungsschule wird 1956 vom Ministerpräsidenten in Holzhausen eröffnet. Auf dem Grundstück "Sieben Eichen", direkt am See, errichtete der Münchener Architekt Karl Kergl die ansprechende Baugruppe. Zwei Jahre später folgte der Ausbau des ehemaligen Hotels "Panorama" zu einer Zweigstelle der Schule. Dadurch ist Holzhausen - ehemals als Malerkolonie weitbekannt - heute in ganz Bayern im Öffentlichen Dienst als Ausbildungsstätte ein Begriff geworden.
Seit dem 1. Januar 1972 ist der Ortsteil Holzhausen der Gemeinde Utting am Ammersee zugeteilt worden; die Gemeinde Rieden am Ammersee kam 1.5.1978 zur Marktgemeinde Dießen. Bis dahin konnte die ehemalige Gemeinde und vor allem der Ortsteil Riederau noch eine Reihe überörtlich bedeutsamer Errungenschaften vorweisen.
So wurde 1968 das neue Strandbad eingeweiht mit dem originellen Pavillonbau des einheimischen Architekten Dipl.-Ing. Heinz Kloepfer.
Kreisheimatstuben
Auf Initiative von Landrat Müller-Hahl konnte der Kreis 1966 den als Baudenkmal wertvollen "Stohrer-Hof" für ein Bauernhofmuseum erwerben. Diese auf Landkreisebene sicher in weitem Umkreis einmalige Einrichtung der "Kreisheimatstuben" wurde 1967 bis 1974 weiter ausgebaut und für den Besucherverkehr geöffnet. Als Exponate dienen ausgewählte Möbelstücke, bäuerliches Gerät und handwerkliche Gegenstände, so wie sie früher in einem größeren Bauernhof vorhanden waren. Eine umfangreiche Sammlungstätigkeit durch freiwillige Helfer war vorausgegangen. 1971 konnte einer der letzten noch im Kreis vorhandenen Getreidekästen vom Jahr 1696 (aus Pessenhausen) gerettet und beim Hof aufgestellt werden. [Anmerkung des Webmasters: Die Kreisheimatstuben wurden 1997 geschlossen und das Anwesen 2005 an Privat verkauft.]
Bis zum Anschluß an Dießen waren fast alle Straßen geteert. 1969 mußte die Volksschule aufgelöst werden; ihre Räume beherbergten von da an den Kindergarten. Im gleichen Jahr wurden die Straßennamen eingeführt. 1976/77 erfolgte die Restaurierung der Kapelle Mariae Hilf (innen und außen), 1977/78 die der Petrus-Canisius-Kirche und schließlich 1978/79 eine wohlgeglückte Gesamtrestaurierung der Kirche St. Alban.
Der 1977 erbaute "Kramerhof" ist ein ansprechendes, ortsbildbestimmendes Gebäude; eine weitere Gaststätte ist nur noch die "Pfeffermühle", nachdem die alte Bahnhofswirtschaft 1975 abgebrochen wurde.
Sozusagen zum Abschied von seiner Selbständigkeit als ehemaliger Gemeindesitz feierte Riederau 1977 sein 850jähriges Bestehen mit einem Festakt und der Herausgabe einer kleinen Ortsgeschichte, verbunden mit der 100 Jahr-Feier der Freiwilligen Feuerwehr.
Stand: 03.03.2013, Vers. 4.000.0
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